Industrie 4.0

Neue Herausforderungen für die europäische Arbeitswelt

03.03.2019
Christopher Wimmer

Wir scheinen vor einer Zeitenwende zu stehen, dem Zeitalter der Digitalisierung.

Von der Arbeitswelt über die Lebenswelt, die Freizeitgestaltung und den öffentlichen Raum bis hin zur Politik und Privatsphäre soll sie angeblich die bestehenden Verhältnisse umpflügen. Technisch werden unter dem Begriff der Digitalisierung Informations- und Kommunikationsprozesse verstanden, die mittels digitaler Speicher-, Übertragungs- und Verarbeitungstechnik verbessert werden sollen. Mithilfe innovativer Hard- und Software soll dies immer schneller, flexibler und ortsunabhängiger möglich sein.

Schenkt man dem Glauben, stehen wir kurz vor der „vierten industriellen Revolution“ (Schwab 2016). Erstaunlich dabei ist, dass diese Dynamik häufig als
unaufhaltsamer Naturprozess verstanden wird, auf den die Menschen keinen
Einfluss haben. Die Digitalisierungsdebatte gleicht damit dem Globalisierungsdiskurs der 1990er Jahre. Doch fallen Digitalisierung und Industrie 4.0 nicht vom
Himmel, in technische Neuerungen wird im Kapitalismus aufgrund von Profitinteressen investiert. Besonders deutlich wird dies an den Veränderungen der
Arbeitswelt. Dort treten Entgrenzung und dauerhafte Erreichbarkeit durch Smartphone, Cloudwork und mobiles Arbeiten vermehrt an die Stelle von regulären
Beschäftigungsverhältnissen.

Die Studie „Industry 4.0 and its Consequences for Work and Labour“ (dt.: „Industrie 4.0 und die Folgen für Arbeit und Arbeitskräfte“) (Gaddi/Garbellini/Garibaldo
2018) beschäftigt sich am Beispiel von 40 italienischen Unternehmen genau mit
diesem Zusammenhang zwischen Digitalisierung und den Arbeitsbedingungen im Industriesektor. Die Autor*innen Matteo Gaddi, Nadia Garbellini und Francesco Garibaldo von den linken italienischen Organisationen Associazione Culturale
Punto Rosso und der Fondazione Claudio Sabattini stellen sich die Frage, wie die
Industrie 4.0 die Arbeitsbeziehungen verändert. Werden erweiterte Partizipationsmöglichkeiten und Handlungsspielräume für Arbeiter*innen ermöglicht oder ist Industrie 4.0 ein Versuch der verstärkten Leistungskontrolle und -intensivierung?

Die folgende Broschüre fasst die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammen.
Dafür soll zunächst auf aktuelle Trends in der europäischen Industriepolitik eingegangen werden. Danach werden zentrale Begriffe bestimmt. Kurz wird auf die
Situation der Digitalisierung in Italien eingegangen und das methodische Vorgehen der Studie beschrieben. Der nächste Teil des Textes präsentiert die Ergebnisse und beschäftigt sich mit den Auswirkungen, die die Digitalisierung auf die Arbeitsbedingungen hat. Daraus sollen Folgen für gewerkschaftliches Handeln und
progressive Akteure entwickelt werden. Ein Fazit rundet die Broschüre ab und
fordert eine digitale Linke auf Höhe der Zeit.