Policy Paper

Überraschender Sündenfall?

Anmerkungen zur Geschichtsresolution des Europaparlaments vom 19. September 2019

17.02.2020
Konstanze Kriese

In einer Anhörung des Kulturausschusses des Europaparlaments über Interkulturellen Dialog im September 2015 erläuterte Barry van Driel Studienergebnisse, die eine rasante Abnahme des Wissens über den Holocaust bei Jugendlichen offenbarten. Nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen in Paris im November 2015 wird dann der Bericht über „Die Rolle des interkulturellen Dialogs, der kulturellen Vielfalt und der Bildung bei der Förderung der Grundwerte der EU“ verabschiedet. „Kampf gegen Antisemitismus“ sucht man im Bericht vergeblich.

Nach den Anschlägen in Paris wurde in den vor allem auf eine Verschärfung der Innenpolitik gerichteten Debatten Antisemitismus einmal mehr auf einen außereuropäischen, islamischen Import reduziert. Im Bericht zum Interkulturellen Dialog wurde dann entschieden, dass Antisemitismus durch „...alle(n) Formen von Diskriminierung und Rassismus“ beschrieben sei und damit keiner gesonderten Erwähnung bedürfe.

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